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LEUNA - 100 Jahre Chemie

Rainer Karlsch

Leuna
100 Jahre Chemie


Mit Fotografien von Janos Stekovics

320 Seiten
348 meist farbige Abbildungen
gebunden, Schutzumschlag
25 x 33 cm
48,00 EUR
ISBN 978-3-89923-355-1

Vor 100 Jahren, am 25. Mai 1916, begann der Bau der Leuna-Werke. Wie an kaum einem anderen Chemiestandort widerspiegeln sich in Leuna die Höhen, aber auch Tiefen der deutschen Industrie- und Zeit­geschichte. Berühmt wurde Leuna in den 1920er Jahren durch die Hochdrucksynthesen zur Produktion von Ammoniak, Methanol und Treibstoffen. Zugleich boten die Haupt- und Nebenprodukte dieser ­Synthesen die Möglichkeit, eine breit gefächerte organische Chemie aufzubauen. Chemiker und Ingenieure aus aller Welt priesen Leuna als eine Hochburg der Technik. Doch der technische Fortschritt diente vor allem militärischen Zwecken. In beiden Weltkriegen spielte das Werk eine Schlüsselrolle für die Kriegswirtschaft. Infolge der Kriegszerstörungen und sowjetischen Demontagen verlor Leuna bis Ende 1946 drei Viertel seiner Kapazitäten. Erschwerend hinzu kam die Abwanderung vieler hoch qualifizierter Mitarbeiter. Dass unter diesen Umständen der Wiederaufbau gelang, grenzte an ein Wunder. Einen Modernisierungsschub löste das Chemieprogramm vom November 1958 aus. Erdöl aus der UdSSR und westliche Technik für den Bau des petrochemischen Komplexes Leuna II veränderten den Standort. In den 1970er und 1980er Jahren wurde besonders in die Erdölverarbeitung investiert.
Ziel war ein heizölfreier Raffineriebetrieb, um möglichst große Mengen an hellen Produkten und Methanol ins westliche Ausland zu exportieren. Devisen mussten erwirtschaftet werden, um jeden Preis. Andere Werksteile hatten das Nachsehen und litten unter einem zunehmenden Verschleiß.
Im Jahr 1990 war die Ausgangssituation der LEUNA-WERKE AG für den „Kaltstart“ in die Marktwirtschaft schlecht. Wie schon 1919 und 1945 drohte dem Werk die Stilllegung. Das Kanzlerversprechen zum Erhalt des Chemiedreiecks vom Mai 1991 wirkte dem entgegen. Nach dramatischen Verhandlungen erhielt ein Konsortium unter Führung des französischen Mineralölkonzerns Elf Aquitaine (heute: Total) den Zuschlag für den Neubau einer Raffinerie. Das war die Initialzündung für die ­Privatisierung der Leuna-Chemie. Internationale Konzerne und mittelständische Unternehmen schufen mit staatlichen Beihilfen moderne ­Arbeitsplätze. Im Unterschied zu den Jahren bis 1990 ist Leuna heute kein rein nationaler Chemiestandort mehr. Die hier tätigen Unternehmen kommen aus zahlreichen Ländern und sind in globale Produk­tions-, Informations- und Logistiknetzwerke eingebunden. Neue Wege wurden bei der Restrukturierung der Infrastruktur und dem Aufbau eines geschlossenen Chemieparks durch die 1995 gegründete ­InfraLeuna GmbH beschritten, die als Low-Profit-Gesellschaft nach einem genossenschaftlichen Modell arbeitet. Ein Standort, der es immer ­wieder geschafft hat, sich neu zu erfinden, kann sich auch ­künftigen Herausforderungen selbstbewusst stellen.

Rainer Karlsch
Geb. 1957 in Stendal, Studium der Wirtschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. oec.,
1983–1991 und 1995–2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin,
1992–1994 Historische Kommission Berlin,
2000–2001 Freie Universität Berlin,
2001–2004 Privatinstitut für angewandte Demographie,
seit 2005 Freiberufler,
1996 Erster Preis der Stinnes-Stiftung für Unternehmensgeschichte.

Wichtigste Bücher
Allein bezahlt? Die Reparationsleistungen der SBZ/DDR 1945–1953,
Berlin 1993
Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974,
München 2003
Wirtschaftsgeschichte Sachsens im Industriezeitalter, Leipzig 2006
Uran für Moskau, Die Wismut – eine populäre Geschichte,
Berlin 2007
Die Agfa-Orwo Story. Geschichte der Filmfabrik Wolfen und ihrer Nachfolger, Berlin 2010

 

48,00 EUR

Produkt-ID: 978-3-89923-355-1  

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