Wenn von Fastnacht, Karneval oder Fasching die Rede ist, denkt man ans Rheinland, die alemannischen Städte und Dörfer oder etwa die Stadt München. Unser Bundesland Sachsen-Anhalt, protestantisch und - seit 1815 - preußisch geprägt, würde wohl niemand mit Fastnachtstradition verbinden.
Nach der Lektüre dieses Buches muss man diese Ansicht korrigieren. Zwar dürfte man Sachsen-Anhalt auch heute nicht als eine Hochburg des Karnevals ansehen können. Doch, wie der Autor belegt, gibt es hier lange zurückreichende Traditionen der Fastnacht, die am ehesten als ein tief in der Bevölkerung wurzelnder Brauch der Vertreibung des Winters gedeutet werden können.
Diese Feste, Traditionen und Riten werden in den größeren Rahmen der ländlichen oder städtischen Volksgeschichte gestellt. Sie haben sich von Ort zu Ort ganz unterschiedlich entwickelt und stehen in engster Verbindung mit dem bäuerlichen und handwerklichen Leben, mit christlichen und vorchristlichen Anschauungen, mit Armut und Lebensfreude, mit Ritualen der heranwachsenden Jugend, mit der Art, wie sich Frauen und Männer begegneten, und vielem, vielem mehr.
Diese Tradition hat sich in die Moderne gerettet, sie hat die beiden Weltkriege und die Diktatur der Nazis überlebt.
Auch die DDR-Zeit wird man nicht unbedingt als günstigen Nährboden für den Karneval werten, wenn die Faschingsvereine auch für ein Stück Buntheit, Lebensqualität und Selbstbestimmtheit sorgen konnten, das in dieser Zeit sonst nicht im Übermaß vorhanden war.
Allerdings hatte die Staatssicherheit nach dem Motto "sicher ist sicher" ein argwöhnisches Auge auf dieses Treiben, das man nicht außer Kontrolle geraten lassen wollte.
Und heute? Zahlreiche Karnevalsvereine sorgen Jahr für Jahr für die Wahrung der alten Bräuche und erfreuen sich dabei eines großen Rückhalts in der Bevölkerung. Die vorliegende Dokumentation macht klar, in welchem Maße sie dabei in der Tradition früherer Generationen stehen.
(Prof. Dr. K. E. Pollmann, Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg in seinem Vorwort zum Buch)