Wirklich noch ein Buch über die Vertreibung der Sudetendeutschen vor mehr als sechzig Jahren? Ja! Noch ein Buch!
Franz Strunz gelingt hier nämlich das Kunststück einer Gratwanderung – ein Text, der seine Leser immer wieder verwundert, oft beunruhigt und manchmal verstört.
Es ist ein verwirrendes Buch, vielschichtig und gescheit, ein Mix aus Heimatliebe und Ironie und Phantasie. Der Autor heißt Franz Strunz, geboren 1941‚ „tief drin im Böhmerwald“, hat also die Vertreibung aus der grünen Wiesen- und Waldheimat als unverständiger Bub noch gerade miterlebt. Aber nicht aus dieser Perspektive entwickelt Strunz den Roman, sondern als gebildeter Altphilologe, wortgewandter Romanist, engagierter politischer Kopf und gleichzeitig als warmherziger, bekennender Böhmerwäldler aus dem vom böhmischen Ostwind bedrohlich umfauchten Dörflein Fürstenhut bei Winterberg.
In die Chronik des Dorfes, dargetan an Familienschicksalen, flicht der Erzähler die Biographie des bedeutendsten Fürstenhuters, des Volkskundlers Rudolf Kubitschek mit ein. Ernste und vergnügliche Kurzgeschichten, Episoden, Anekdoten finden sich in dem Buche noch und noch. Strunz baut Gespräche zwischen seine Epik, erdachte Dialoge, leidenschaftliche Dispute.
Der Autor kniet sich aber auch in Vorgeschichte und objektiven Ablauf der Vertreibung hinein. Das Verbrecherische, ja Teuflische der Vorgänge und auf der anderen Seite die Tragik, Ausweglosigkeit der Sozialdemokraten, ursprünglich wohlmeinender Tschechen, hilfloser Gutmenschen im Inferno des Hasses …
Fürwahr ein reiches Buch, reich im Inhalt, reich in seiner stilistischen Ausformung, vielschichtig und vielgestaltig, ein spannendes Leseabenteuer!