Der Schlosser Artur H., der als Sohn eines Windmüllers in einem winzigen Dorf über dem Saaletal zur Welt kam und sich den freien Blick der aussichtsreichen Kindheitslandschaft bewahrt hat, besitzt die selten gewordene Gabe eines ursprünglichen Erzählertalents. Und das Erinnerungsvermögen des Neunzigjährigen besticht durch seine naive Frische und die Kraft detailfreudiger Rückbesinnung. Sein Arbeitsethos baut auf Pünktlichkeit, Genauigkeit, Gewissenhaftigkeit, Fleiß, Bescheidenheit und was der Tugenden des kleinen Mannes am Schraubstock mehr sind. Tugenden, von denen viele andere mitprofitiert haben und auf die sich alle Mächte und Systeme gleichermaßen stützen konnten. Der plebejische Lebenslauf hat auf das Geburtsjahr 1900 genau mit dem Jahrhundert Schritt gehalten. Wolfgang Haak hatte die Idee, sich das Leben des alten Mannes, der sich eher die Knochen bricht als auf das Fahrrad zu verzichten, erzählen zu lassen, von Anfang an. Er hat aufgezeichnet, ohne sich damit zu begnügen, einfach den Rekorder laufen zu lassen und ihn dann blank abzuspielen. Er hat eine literarische Ordnung geschaffen, den Stoff kapitelweise gebändigt und gebündelt, die Rede in Schriftsprache gehoben, ohne den Erzählduktus zu verwischen. Wo der mündliche Bericht die Lesbarkeit in Frage stellte, hat er glättend, gestaltend eingegriffen. Es galt, zu raffen und umzustellen, um die Chronologie zu wahren, ohne dabei diesen Bericht aus dem deutschen Alltag des zwanzigsten Jahrhunderts seines dokumentarischen Charakters zu berauben.
(Wulf Kirsten)
Wolfgang Haak ist ein Landgänger, der am liebsten auf Nebenwegen an Ilm und Saale das Thüringer Vorland mit offenen Augen durchstreift und dabei fündig wird: Verlorenes, Vergessenes, Unscheinbares. Diese Gegenstände, aus der scheinbaren Nutzlosigkeit geborgen, vereinnahmt er und formt später Texte daraus.
Wolfgang Haak ist ein Grenzgänger in der Literatur. Bisher veröffentlichte er neben Künstlerbüchern zwei Bände mit Prosastücken in Kurzfassung (2001, 2004), die ohne weiteres als lyrische Prosa, aber auch als prosaische Lyrik durchgehen können. 2001 erhielt er den Rheinheimer Satirelöwen für Kurzprosa.
Wolfgang Haak arbeitet und wohnt in Weimar. "Der Sohn des Windmüllers" ist sein erster Roman.
Pressestimmen:
"Wolfgang Haak hat das gut zu lesende Denkmal eines Lebens geschaffen, das von den Tugenden des kleinen Mannes geprägt ist - ein faszinierender Roman aus dem deutschen Alltag des zwanzigsten Jahrhunderts."
(Magdeburger Volksstimme)