Band I · Die Kirchengeschichtsschreibung des Flacius Illyricus

Seit einiger Zeit wird ein historischer Schatz wiederentdeckt, der über Jahrzehnte nahezu unbekannt gewesen ist: die Magdeburger Centurien. Dabei handelt es sich bei ihnen zweifellos um einen Vorgang von – so kann man ohne Übertreibung sagen – europäischer Bedeutung! Denn damals, im 16. Jahrhundert, entstand in Magdeburg erstmals eine nach Jahrhunderten gegliederte (kirchliche) Historiographie, die eine neue Form der Geschichtsschreibung einführte.
Wieso war gerade Magdeburg dazu prädestiniert? Die Stadt besaß keine Universität und die Berühmtheit der Dom- und Klosterschulen gehörte mittlerweile der Vergangenheit
an – die Reformation hatte ihnen vollends den Boden entzogen …
Im ersten Band nähern sich sechs Autoren diesem Thema.
Band II · UNIVERSALgeschichtliche Betrachtungen im Sinne einer Weltchronik
Diese Art der neuen kirchlichen Geschichtsschreibung ist Flacius Illyricus zu verdanken, einem Mann, den es von Wittenberg nach Magdeburg gezogen hatte. Hier stieß er vor allem in der protestantischen Pfarrerschaft auf eine Reihe von Mitstreitern. Mit geringen Ressourcen wurde eine „Forschungsstelle“ eingerichtet, die aus dem Stand eine führende Bedeutung erwarb. Die historische Leistung dieses Unterfangens kann allerdings erst im Rückblick wirklich angemessen gewürdigt werden.
Die Magdeburger Centurien entstanden in der Mitte des 16. Jahrhunderts als erste protestantische Kirchengeschichte in der Stadt Magdeburg. Eine ganze Anzahl von Mitarbeitern durchforstete für dieses anspruchsvolle Unternehmen zwischen 1550 und 1560 in ganz Europa zahllose Bibliotheken. Die Stofffülle der dreizehn Bände in lateinischer Sprache ist folglich beeindruckend, ebenso das Bemühen um Quellentreue sowie die Sorge um systematische Strenge. Die Centuriatoren gliederten den Stoff nicht nach Epochen (P. Orosius) oder in Weltalter (Augustinus), sondern nach Jahrhunderten (Centurien). Sie sahen ebenso wie Martin Luther in der Geschichte ein Werk Gottes.
Die hier vorgelegte Darstellung bedient sich zwar derselben systematischen Strenge und geographischen Breite wie die Centurien, ist jedoch weder als heilsgeschichtliche noch als apologetische Schrift zu verstehen. Vielmehr verfolgt sie eine eigenständige Darstellungsweise, die sich der Tradition der mittelalterlichen Weltchronik (Eusebius von Caesarea, Isidor von Sevilla, Otto von Freising) nähert. Dabei bemüht sie sich um eine universalgeschichtliche Betrachtungsweise. Auf diesem Hintergrund zeigt dieser Band die wechselseitigen Beziehungen der europäischen, byzantinischen, jüdischen und islamisch-orientalischen Völker sowie in einem weit reichenden Spannungsbogen deren Profan-, Geistes- und Religionsgeschichte. Schließlich und endlich stellt diese Weltchronik kompendienartig dar, wo Magdeburg im Rahmen dieses zeitlichen Ablaufs zu finden ist. Zahlreiche Originalzitate, Anekdoten und Novellen illustrieren das Gesagte.
Der Verfasser des zweiten Bandes, Dr. Günther Korbel, geboren 1942 in Lukawetz/Sudetenland, arbeitete zunächst im Rahmen einer Verwaltungslaufbahn als Stadtoberinspektor bei der Stadt Hildesheim, bevor er Ur- und Frühgeschichte, Vorderasiatische Archäologie, Iranistik, Ethnologie und Keilschriftsprachen (Altpersisch, Akkadisch, Hethitisch) studierte. Er war lange in Forschung und Lehre an der Georg-August-Universität zu Göttingen tätig. Dr. Korbel arbeitete zuletzt für das Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Magdeburg.