Nicht alle heißen Piroschka ... "Die Zwillinge János und István Lukács haben auf ihrem Hof vieles in doppelter Ausführung: zwei Mopeds zum Beispiel, Marke 'Simson', zwei Fahrräder, zwei Pferdekutschen, die lustigen Schafwolltrachten und andere Klamotten, die sie seit zwanzig Jahren nicht erneuert haben. Von Flöhen hat jeder für sich freilich mehr als genug, aber daran kann man die beiden auch nicht unterscheiden. Vielleicht am Alter. Als sie vor 63 Jahren in einer Silvesternacht ganz hinten in der ungarischen Puszta in einer Hütte geboren wurden, kam der eine von ihnen (oder der andere) halt doch etwas früher auf die Welt, vielleicht um zwanzig Minuten.
Der Einödhof der Brüder läßt sich nur im Sommer einigermaßen zivil erreichen. Er liegt vier oder fünf Kilometer von der nächsten befahrbaren Straße entfernt. Von Oktober bis April braucht man da schon einen Geländewagen, oder ein Pferd, und in jedem Fall gute Stiefel. János und István haben einen eigenen Brunnen und brauchen auch keinen Strom. Sie brauchen keine Zigaretten und keinen Schnaps, und wenn ihnen einmal jemand eine Flasche Wein schenkt, steht sie zwanzig Jahre lang auf dem Schrank. Seit die Eltern tot sind, wird deren Schlafraum und Stube nicht mehr betreten, der Lehmboden bleibt ein Heiligtum. István schläft von jeher schon bei den Tieren im Stall, János haust in einer Kammer, die wie eine Wabe an der Außenwand des Hauses klebt ..."
(Aus einer Reportage im "Magazin" der Süddeutschen Zeitung)
"Photographische Erinnerungsarbeit ... Hier sind stolze, tüchtige Menschen in ihrem Lebenskreis festgehalten, ehe die Entwicklung auch diese Kultur ausgelöscht haben wird."
(Süddeutsche Zeitung)
"Die würdevollen und detailreichen Bauern-Porträts lassen die Liebe und seelische Verbundenheit dieser aussterbenden Generation zu dem Land ahnen, das sie mit ihren Händen bearbeitet hat."
(Frankfurter Rundschau)
"Die Darstellung reduzierte der Fotograf auf das Allernötigste und verhalf ihr damit zur allerhöchsten Wirkung ..."
(ColorFoto)
"The faces, hands and people remain motionless in an almost theatrical timelessness, an effect he reaches with a brilliant technique."
(Fotómüvészet)
"Verbissen arbeitet nun Janos Stekovics an einer möglichst lückenlosen Dokumentation dieser Situation, die in ihrer Breite und technischen Perfektion durchaus an Sanders Werk erinnert."
(FOTOMAGAZIN)
"Es gibt Bücher, die muß man einfach haben ... Janos Stekovics hat so ein Buch zustande gebracht ... Kein Geheimtip, Pflichtlektüre!"
(Blitz)
Janos Stekovics, 45, besuchte als Fotoreporter der ungarischen Nachrichtenagentur MTI die Brüder Lukács auf ihrem entlegenen Hof in der Puszta, oft zwanzigmal im Jahr. Ausgerüstet mit einer alten Plattenkamera hat er ihr Vertrauen gewonnen ... "Man muß zu Fuß über's Land gehen", sagt er, "um die Menschen der Puszta begreifen zu können".
Matthias Rüb, 43, Journalist, ist Ost-Europa-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Budapest.
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